30 Jahre ehrenamtliches Engagement durch den NABU-Kreisverband Verden e.V.

Moorfrosch
Moorfrosch

Ein seltenes Jubiläum feiert der Naturschutzbund Deutschland (NABU)- Kreisverband Verden e.V. in diesem Jahr mit seinem Engagement im Holtumer Moor. Bereits 1979 erwarb die Naturschutzorganisation ihr erstes 1.838 qm großes Schutzgebiet - heute besitzt der NABU 25 ha an unterschiedlichen Ökosystemtypen. Galt zu Beginn das Hauptaugenmerk den seltenen Pflanzen (z.B. Arnika, Beinbrech, Schwarzwurzel u.a.), so wird heute die größtmögliche Erhaltung der vielfältigen Kleinstrukturen angestrebt. Das Schützen und Erhalten seltener und bedrohter Amphibien-, Heuschrecken-, Falter-, Pflanzen-, Reptilien- und Vogelarten gehört ebenso zum Artenschutzkonzept Holtumer Moor wie der Schutz von Feuchtwiesen, Erlenbruchwäldchen, Sumpfflächen und §28a-Biotopen.

 

Wurden anfänglich die NABU-eigenen Flächen im Holtumer Moor von der Gruppe Verden betreut, so wurde 1993 auf Grund von erhöhten Anforderungen die Biotoppflegegruppe Holtum gegründet, die sich speziell um die vom NABU-Kreisverband erworbenen Flächen im Holtumer Moor kümmert. Dieser Aufgabenaufwand durch ein Schutzgebiet-Management hat sich für die Natur ausgezahlt. Tümpelausbau, Mähaktionen, Arten-Hilfsmaßnahmen, Biotop-Kartierungen, Durchführung von Exkursionen, Pflanzaktionen, Entkusselungsmaßnahmen, Öffentlichkeitsarbeit, Grabenreinigungsaktionen von Hand, Pflege der Infostationen (Goy-Stein und Badeanstalt) ,Kontakte zu Landwirten, Festlegung von Mähterminen, Ausarbeitung von Pachtverträgen, Zaunpflege usw. gehören zum festen Aufgabenbestandteil der Gruppe.

 

Entwicklung zu vielfältigen Schutzzonen

Das Holtumer Moor gehört zu den wenigen Gebieten des Landkreises Verden, die schon frühzeitig und umfassend pflanzensoziologisch untersucht wurden. In den Jahren 19963/64 und 1975/76 durch Prof. Hartmut Dierschke von der Universität Göttingen.Hierbei stellte sich heraus, dass sich die Vegetation in der Zwischenzeit erfreulich wenig verändert hatte. Im Rahmen einer Diplomarbeit wurde das Holtumer Moor abermals im Jahre 1988 durch Dr. Burkhard Wittig aus Verden untersucht. Der nochmalige Vergleich zeigte eine starke Veränderung, insbesondere der Grünland-Gesellschaften auf, welches zum größten Teil auf eine intensiv geführte Landwirtschaft und Entwässerung zurückzuführen war. Dennoch wurden bei dieser Untersuchung immerhin noch 35 Pflanzenarten der Roten Liste festgestellt. 1997 wurde das Holtumer Moor nochmals von Dr. B. wittig und Studenten der Uni Bremen pflanzensoziologisch untersucht. Hierbei wurde festgestellt, dass sich auf den Flächen des Naturschutzprojektes Holtumer Moor wenig zuungunsten der Pflanzenwelt verändert hat. Leider aber auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen!

Gerade aus diesem Grunde kam es dem NABU gelegen, Schutzkonzepte zu entwickeln, die einen weiteren Artenrückgang verhindern sollte.

Ein Entwicklungs- und Pflegekonzept für die einzelnen Biotope wurde aufgestellt. Hauptaugenmerk wird dabei auf eine extensive Bewirtschaftung (Mahd und Beweidung) gelegt, bzw. manche Gebiete werden sich selbst überlassen (Feuchtbiotope, Hochstaudenflur, Bruchwaldreste). Je nach Art des Schutzkonzeptes werden Düngerzugaben untersagt bzw. reduziert. So sind heute 2/3 der NABU-Flächen an Landwirte aus der Umgebung verpachtet.Durch die Neu-Aufstellung eines Landschaftsrahmenplanes (Fachplan für Naturschutz und Landschaftspflege) im Jahre 2008 durch den Fachdienst für Naturschutz/Landkreis Verden hat das Holtumer Moor nicht zuletzt durch den 30jährigen Einsatz des NABU eine höhere Gewichtung erhalten, worauf die Gruppe besonders stolz ist.. Heute ist das Holtumer Moor zum "Gebiet mit hoher Bedeutung für die Tier- und Pflanzenwelt" eingestuft.

 

Zusammenarbeit mit Landkreis Verden und privaten Naturschützern

Der Landkreis Verden besitzt im Holtumer Moor 20,14 ha Feucht-Grünlandflächen und Erlenbruchwaldreste. Das Land Niedersachsen steuert mit dem Besitz der Auequelle 4,66 ha bei. Private Naturschützer aus den Reihen des NABU besitzen weitere 19,09 ha an Schutzflächen. Mit den NABU-Flächen werden im Naturschutzprojekt Holtumer Moor 64 ha naturschutzgerecht betreut. Dennoch sind nicht nur der Ankauf, sondern das Anbieten und Entwickeln von Schutzzonen und deren Weiterentwicklung als Rückzugs- und Wiederbesiedlungsgebiete für gefährdete Arten wichtig. So haben alle 3 Naturschutzgruppen erkannt, dass man auf Eigenflächen viel besser Arten- und Biotopschutzmaßnahmen durchführen kann, zumal dieses weitgehend ohne Kompromisse gegenüber anderen Nutzern möglich ist.

 

Bekannte Besucher im Holtumer Moor

Auf Einladung des NABU-Kreisverbandes e.V. ließen sich die Kreistagsfraktionen des Landkreises Verden 2004 das Holtumer Moor zeigen. Im Jahre 2005 waren der Nieders. Umweltminister Sander, NABU-Landesvorsitzende Helm, MdL Wilhelm Hogrefe und UNB-Leiter des Lk Verden Hermann Strüßmann zu Gast im Holtumer Moor. Weiterhin ließen sich Bürgermeister Rodewald, die Junge Union des Landkreises Verden, der NABU-Kreisverband Rotenburg und der Bundestagsabgeordnete Reinhard Grindel 2007 das Extensivprogramm des NABU erläutern. Eine Vereinigung von 25 Landwirten waren 2008 zu Gast beim NABU-Holtum.

 

Alle Gäste waren beeindruckt von der langjährigen Arbeit und Aufgabenfülle zum Nutzen des Arten- und Naturschutzes im Holtumer Moor.

 

Goystein   Foto: NABU Kreisverband Verden e.V.
Goystein Foto: NABU Kreisverband Verden e.V.

Reinhard Goy-Fonds - ein Glücksgriff für den Naturschutz

Dem 1992 verstorbenen 1. Vorsitzenden des ehemaligen DBV und heutigem NABU Reinhard Goy ist es zu verdanken, dass er sich für den Ankauf von Schutzflächen im Holtumer Moor einsetzte. Ein nach ihm benannter Fonds ermöglichte es dem NABU, bis heute 25 ha an Schutzflächen zu erwerben. Ein Großteil des Betrages für den Ankauf von Lebensräumen wurde von Privatpersonen, Firmen, Banken, Schulklassen gespendet. Während der Ankauf durch den Goy-Fonds getätigt wird, wurden für die Anlage von 7 Tümpeln Lotteriegelder Bingo) beantragt, bzw. hat auch die Tiefbaufirma Nürnberg/Verden 2 Tümpel kostenfrei gestaltet. Pflanzgut (Büsche und Bäume) zur Bepflanzung der Biotope werden durch das Programm "Belebung der Landschaft" des Landkreis Verden kostenfrei bezogen. So ist gewährleistet, dass nahezu 100% der gespendeten Gelder in den Flächenankauf fließenl

Nur der 30jährigen Beharrlichkeit des NABU ist es zu verdanken, dass viele Tiere und Pflanzen das Holtumer Moor als Lebens- und Rückzugsgebiet nutzen.

 

Effizienzkontrolle für den ökologischen Erfolg notwendig

Im Jahre 2002 konnte der damaligen Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Verden eine umfassende Arten-Aufstellung übergeben werden. Es wurden 906 unterschiedliche Arten (Libellen, Nachtfalter, Tagfalter, Schnecken, Fische, Vögel, Blütenpflanzen u.a.) festgestellt. Diese Zahlen flossen in die Neuaufstellung des Landschaftsrahmenplanes für das Holtumer Moor ein, welches der Fachdienst Naturschutz des Landkreises Verden 2008 neu fasste.

Wenn die Zahlen sicherlich bei weitem noch nicht die Gesamtheit der im Holtumer Moor beheimateten Arten widerspiegeln, so interpretiert die Aufstellung dennoch eindeutig, wie effizient die jahrelange ehrenamtliche Arbeit des NABU und der privaten Naturschützer war/ist.

 

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