Mit 5-Sterne-Komfort
Ottersberg.
Wer den Rad- und Fußweg vom Ottersberger Postweg aus in Richtung Eckstever passiert, kann es sehen: ein neu errichtetes Fachwerkgebilde mit rotem Ziegeldach. Macht sich gut am Wegesrand. Aber was hat es damit auf sich? Das erklärt Jürgen Baumgartner, Leiter der Nabu-Gruppe im Flecken Ottersberg. "Wir haben hier ein Insektenhotel gebaut", berichtet er.
"Das Hotel schafft Nistmöglichkeiten für Hautflügler, Käfer und Spinnen, deren Lebensräume durch die intensive Land- und Fortwirtschaft sowie eine naturferne Gartengestaltung seltener geworden
sind", erläutert er. "Die Tiere, die hier Unterschlupf finden, spielen eine bedeutende Rolle bei der Blütenbestäubung und in der biologischen Schädlingsbekämpfung. Für andere Tiere wie
Fledermäuse oder Vögel stellen sie ein reiches Nahrungsangebot dar." Außerdem biete das Insetenhotel eine gute Möglichkeit, die interessanten Krabbler zu beobachten und ihre Lebensweise
kennenzulernen.
Am schnellsten belegt wird ein Insektenhotel, wenn es an einem geschützten Platz mit viel Sonneneinstrahlung aufgestellt wird. Außerdem sollen sich Kräuter und Wildpflanzen in der Nähe befinden.
"Dieser Aspekt war Ausgangspunkt für die Überlegung, genau an dieser Stelle tätig zu werden", berichtet Baumgartner. Hintergrund: In 2008 hat der Naturschutzbund Ottersberg eine etwa ein Hektar
große Fläche im Eckstever Moor von der Gemeinde gepachtet, quasi als Ausgleichsfläche für den betonierten Radweg. Ein Entwicklungsziel war es, hier eine naturnahe Gestaltung in form einer
Wildblumenwiese zu schaffen. Und dazu passt das Insektenhotel.
Die Materialauswahl und die Größe des Insektenhotels können ganz individuell gestaltet werden. "Wir haben den Fachwerkrahmen im Februar beim Otterstedter Unternehmen Holzbau Kahrs in Auftrag
gegeben", informiert Jürgen Baumgartner.
Die Zimmerleute mussten zweimal nachfragen, denn was hier entstehen sollte, war ihnen ganz neu. Doch das Arbeitsergebnis - erbracht vorrangig durch Lehrlinge - hat Fünf-Sterne-Komfort; übrigens nicht nur für Insekten, sondern auch für Vögel, denen ebenfalls Nistquartiere geboten werden. Ausgefüllt wurden die leeren Gefache von Mitgliedern des Nabu, interessierten Bürgern, Jugendlichen und Kindern mit Ziegeln, Baumscheiben, Lehm, Stroh und Schilf.
Etwa 2.500 Euro mussten insgesamt aufgewendet werden. Hauptförderer ist die Bingo Umweltlotterie. Ein Eigenanteil aus der Kasse der Nabu-Gruppe Flecken Ottersberg und Spenden machten es
möglich, das Projekt zu realisieren.
Jürgen Baumgartner ist seit 2008 Leiter der Nabu-Gruppe Ottersberg. "Naturschutz hat mich schon immer interessiert", sagt er. "Als Jugenlicher bin ich vor der Schule mit dem Fernglas in den Wald
gegangen." Beruflich standen jedoch zunächst Technik und Selbstständigkeit im Vordergrund für den Ottersberger, der auch stellvertretender Ortsbürgermeister ist. "Jetzt, mit 58 Jahren, habe ich
wieder mehr Zeit mich den Dingen zu widmen, diemir am Herzen liegen", sagt Baumgartner. In die Zukunft blickend hat der Nabu Ottersberg noch einiges vor. "Die Renaturierung des Dunzelbachs und
der Naturpfad Achtern Amtshof sind Projekte, die wir noch umsetzten möchten", sagt Baumgartner.
© Rotenburger Rundschau GmbH & Co. KG Okt.2010